Honduras
Die wirtschaftliche Basis in Honduras
Es ist 12 Uhr mittags. Die Sonne steht um diese Zeit am höchsten und strahlt erbarmungslos auf die Bananenplantagen von Honduras, dem kleinen mittelamerikanischen Land, unterhalb Mexikos. Der kleine, elfjährige Junge sitzt im Schatten der Bäume und genießt die kurze Mittagspause. Er hat noch einen langen Arbeitstag vor sich, bevor er den knappen Lohn nach Hause bringen kann, um seine Familie zu ernähren. Zuhause bedeutet für ihn das Haus der Großeltern, wo er mit seinen 8 weiteren Geschwistern lebt. Seine Mutter ist vor zwei Jahren an Aids gestorben, den Vater hat er gar nicht mehr kennen gelernt, da dieser schon lange vor seiner Geburt in die USA emigrierte, um, wie so viele Latinos, dort sein Glück zu suchen.
Diese Geschichte ist nichts Besonderes in diesem Land, sie wird so ähnlich von vielen der Kinder erzählt werden.
Honduras, die „Banananenrepublik“, der „Juwel der Karibik“ oder das „Land der Maya“, wie es in den Reiseführern angepriesen wird, wurde bisher eher durch seine negativ Schlagzeilen bekannt. Zum einen durch Hurrikane „Mitch“, der 1998 dort wütete, 11.000 Opfer forderte und eine Unsumme von Kindern zu Vollwaisen machte, zum anderen durch seine Jugendbanden, so genannte „Mara“, die dort die Straßen beherrschen und durch Gewalt Angst und Schrecken verbreiten.
Der Ursprung der Kriminaltät: Armut
Bei einer Einwohnerzahl von rund 7 Millionen, leben etwa 80(!) % unterhalb der Armutsgrenze. Damit gehört Honduras neben Nicaragua und Haiti zu den drei ärmsten Ländern Lateinamerikas. Diese Armut hat mehrere Ursachen, doch das Hauptproblem liegt wahrscheinlich in der unendlich großen Menge von Jugendlichen, die keine Arbeit finden, da sie nie zur Schule gehen konnten und ihnen somit die nötigen Qualitäten fehlen, um in der Arbeitswelt bestehen zu können.
Jugendliche im Alter von 15 Jahren können oft weder lesen noch schreiben, rund 30% der Menschen in Honduras sind Analphabeten. Die schlechte Schulbildung ist das Resultat eines Mangels von qualifizierten Fachkräften an den Schulen. So gibt es oft für eine Schule nur ein oder zwei Lehrer, deren fachliche Kompetenz nur auf der eigenen Schulbildung basiert, da sie in den wenigsten Fällen selbst studiert haben. Zum anderen stellt sich aber auch für die Familien das Problem der Finanzierung. Zwar sind staatliche Schulen umsonst, doch kosten sowohl die Anschaffung der nötigen Schulbücher, als auch der Kauf der Schuluniform Geld, das die Familien in den meisten Fällen nicht aufbringen können.
Die Konzentration der honduranischen Wirtschaft auf den Agrarsektor
Die Konzentration der honduranischen Wirtschaft auf den Agrarsektor stellt ein weiteres Problem dar, da der industrielle Sektor noch schlecht entwickelt ist. Haupt Exportprodukte sind Bananen und Kaffee, daher hängt die wirtschaftliche Entwicklung stark von den „Terms of trade“ ab. Schwankungen auf dem Weltmarkt treffen die honduranische Wirtschaft sehr stark. Die Löhne, die in der Agrarwirtschaft gezahlt werden sind dementsprechend sehr gering und sichern in den wenigsten Fällen die Existenz der meist großen Familien. Allerdings liegt eine große Hoffnung auf der maquila-Industrie (Textilindustrie), ein Sektor der in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen hat. Auch der Tourismus ist auf dem Vormarsch. Klimatisch ist Honduras wegen seiner tropischen Lage durch Wirbelstürme gefährdet.Besonders verheerend war der oben genannte Hurrikane Mitch, der 1998 das Land verwüstete und die sowieso schlecht ausgebaute Infrastruktur in weiten Teilen des Landes zerstörte. Erst jetzt erreicht die honduranische Wirtschaft langsam wieder das Niveau von
1998.
Problematisch ist außerdem, dass das Prinzip des „good governance“, also die Praktizierung einer legitimierten und demokratischen Regierung, bisher noch nicht vollständig durchgesetzt werden konnte. Nach wie vor gibt es Korruption, von der die Reichen auf Kosten der Armen profitieren. Honduras zählt außerdem zur Liste der HICP (highly indebted poor Countries), der am höchsten verschuldetsten Länder der Welt, nimmt aber an einem Entschuldungsprogramm der Weltbank teil.